Der Tag nach der Bayern-Wahl

Wie sich das für einen (Fast-)Politiker gehört, müssen die Wahlergebnisse nun natürlich „gründlich analysiert“ werden. Und das natürlich mit „Demut“ (M. Söder gestern abend, Zunge raus). Ich will das hier für mich kurz zusammengefasst tun:

Natürlich bin ich heute nicht euphorisch in die Praxis gefahren. 1,6% für die ödp bayernweit, in meinem Stimmkreis im Münchner Osten 1,8%: Erfolge sehen anders aus. Wir haben einen anstrengenden, aber auch anregenden Wahlkampf geführt. Die Vorträge seit Anfang des Jahres waren meist voll, die Plakate – vor allem in München – zahlreich und gut, wie uns viele Leute rückgemeldet haben.

Auch die gewählten Themen (Artensterben, Gemeinwohlökonomie, Lobbybeeinflussung der Politik, analoge Kindheit) sind brennende Fragen unserer Zeit. An manchen strategischen Fragen, der bayernweiten Koordination oder auch der Relation von Aufwand und Ertrag kann die ödp sicher noch arbeiten.

Allerdings hat sich die Frage nach „taktischer Wahl“ oder „verschenkter Stimme“ erübrigt: es war eine reine Stimmungswahl. Von rationalen Erwägungen keine Spur. Aus Wut und Frust wurden statt CSU und SPD nun eben AfD und Grüne gewählt. Da bleibt für Sachthemen und Authentizität wenig Spielraum. Jede Stimme für die ödp war trotzdem wertvoll. Die höhere Wahlbeteiligung kommt uns bei der Wahlkampfkostenerstattung zugute.

Sicher: man muss an dieser Stelle den Grünen gratulieren, die es hervorragend geschafft haben, vor allem die städtische Bevölkerung – auch mit Hilfe der zahlreichen Demonstrationen – anzusprechen. Allerdings spricht die SZ heute wohl nicht umsonst vom Wandel hin zu einer „Lifestyle-Partei“. Wozu auch gehören: Finanzierung von Wahlpartys durch Rüstungsfirmen, Vielfliegen und unkritische Digitalisierungseuphorie (am Freitag war wieder ein Bericht in der SZ, der zeigt, wie weit das in den Schulen zukünftig gehen kann).

Das genau ist das Problem: weder Rot-Grün im Bund, 1998-2005, noch die grüne Regierung Kretschmann in Baden-Württemberg, seit 2011, haben eine Wende in der Umweltpolitik erreicht. Die Abholzung des Hambacher Forstes hatten sie in NRW 2016 als Kröte für die Schonung von Garzweiler geschluckt, ihn dann aber nicht einmal 2017 im Wahlprogramm für die Landtagswahlen dort erwähnt - offenbar war er im Grunde schon abgehakt.

Ja, Realpolitik ist die Kunst der Kompromisse. Aber die macht die Natur nicht. Ob wir wollen oder nicht: auch wir Menschen unterliegen weiter den ökologischen Regulationsmechanismen der Natur. Auch in Bayern, wo sich jetzt sowieso nichts ändern wird, wenn an der Regierung nun neben der CSU noch eine Mini-CSU beteiligt ist, werden die Temperaturen und die Trockenheit weiter zunehmen, die konventionelle Landwirtschaft und damit das Insektensterben bleiben. Und international werden die Umweltfolgen und knapper werdenden Rohstoffe zu weiteren Verwerfungen führen.

Als ich 1992 die „Grenzen des Wachstums“ zum ersten Mal gelesen hatte, war ich erschrocken, dachte aber auch, dass die Rede „nur“ von kommenden Katastrophen wäre. Jetzt aber sind wir schon mittendrin. Dies sowie auch die Tatsache auszuhalten, dass der Leidensdruck offenbar noch nicht groß genug ist – es also wohl leider noch mehr Dürren, Überschwemmungen, Stürme, Klimatote sowie Nahrungsmittelverknappung geben müssen (erst wenn Leiden spürbar ist, reagiert man und geht z. B. zum Arzt) - das ist die eigentliche und schwere Aufgabe dieser Zeit.

08.10.18: Wahlkampf-Endspurt

Notfall! Wir müssen etwas für die Umwelt tun! Foto: S. Giglberger

Höchste Zeit für eine neue Politik! Am Stand konnte ich immer wieder spüren, dass die Menschen wollen, dass endlich effektiv für die Umwelt etwas getan wird. Da kommen über 70-jährige, die zuerst meinen, sie seien Nichtwähler, und die dann doch nachdenklich werden. Andere sind offen, aufgeschlossen und froh über das ehrenamtliche und konzernspendenfreie Engagement der ÖDP.

Ganz ehrlich: mir geht es nicht in erster Linie um die Partei. Mir geht es um die Sache, um effektiven Kampf gegen Klimawandel, gegen Artensterben, gegen das Wachstumsdogma. Für mehr Lebensqualität, für Mensch vor Profit, für eine Wirtschaft, die dem Gemeinwohl dient. Für eine bessere Beziehung zur Natur, damit wir sie mehr zu schätzen wissen und sie dadurch auch bewahren wollen. Am besten kann ich dafür kämpfen in der ÖDP. Es ist viel im Umbruch. Vieles ist möglich ... .

 

ÖDP nimmt kein Geld von Konzernen - im Gegensatz zu den Grünen

Oft werde ich gefragt, was ich denn gegen die GRÜNEN hätte. Im Prinzip nichts. Habe sie jahrzehntelang gewählt. Jetzt nicht mehr. Klar, bin ja jetzt ÖDP-Landtagskandidat. Aber was mir nicht gefällt, ist, dass sie Geld von Rüstungs- und Autofirmen nehmen. Auf lobbycontrol.de kann man das recherchieren. Ich habe das getan, das Ergebnis kann in dieser pdf-Datei nachgelesen werden.

Gerade die Spenden des Südwestmetall-Verbands stoßen dabei auf - sind doch hier auch etliche Rüstungsfirmen dabei. Spiegel online hat 2016 darüber berichtet. Auch knüpft die Heinrich-Böll-Stiftung, eine Stiftung der Grünen, enge Kontakte zu Luftfahrt- und Rüstungskonzernen.

Unabhängige, ehrliche und authentische Politik sieht anders aus. Auch wenn wir eben unsere Plakate selbst aufhängen müssen. Aber für einen guten Blick in den Spiegel (den im Bad) tun wir das doch gerne. Und uns reichen erst mal 6% statt 16%. ÖDP.

"Bei der politischen Stimmung im Land momentan muss man doch etwas tun!"

Die heiße Wahlkampfphase läuft an. Die klassischen Medien ignorieren uns weiter fleißig, weil wir bisher nicht im Landtag vertreten sind. Aber der Zuspruch bei den Veranstaltungen und dem Volksbegehren zur Artenvielfalt zeigt uns, dass viele Menschen erkennen, wie dringend etwas für Mensch und Natur getan werden muss.

Dass dieses  Volksbegehren ein Riesenerfolg ist (200.000 Unterschriftenlisten sind im Umlauf), dass wir in Bayern politisch bereits mitmischen, sei es durch kommunale Ämter und Bürgermeister, sei es durch erfolgreiche Volksbegehren zur Abschaffung des Senats,  zum Nichtraucherschutz oder zum Ausstieg aus der Steinkohle in München - all das könnte noch ein böses Erwachen für die bringen, die uns unterschätzen, und ein gutes Erwachen für die, die wie wir meinen, so kann es nicht mehr weitergehen, mit jetzt ja auch deutlich spürbarem Klimawandel, Flächenfraß, Insektensterben und Plastikmüll.

Plakatieraktion vor wenigen Tagen in der Messestadt München-Riem: Eine Frau, die erst vor wenigen Tagen ÖDP-Mitglied geworden ist, hilft nach Aufruf zwei Tage vorher spontan mit, weil: "Bei der politischen Stimmung im Land momentan muss man doch etwas tun!" Das meint auch Luis Fuchs, unser jüngster Kandidat, gerade das Abi in der Tasche, in meinem Stimmkreis M-Ost auf der Liste zum Bezirkstag, mit seinem coolen Spruch: "Jung, und brutal umweltbewusst".

Es wird Zeit, dass wir die Anliegen zu einem anderen Wirtschaften, zu Respekt vor Mensch, Tier und Pflanzen, zu Digitalisierung mit Bedacht und gegen den Lobbyismus firmenspendenabhängiger Parteien hartnäckiger formulieren. Wir wollen und können es in den Landtag schaffen!

 

Recht auf analoge Kindheit

Digitalisierung ist ja gegenwärtig ein Allheilmittel. Telefone werden auf "Voice over IP" umgestellt, zunehmend wird im Supermarkt mit Smartphones gezahlt, die Landwirtschaft soll mit Digitalisierung auch viel besser werden, und Arztpraxen werden gezwungenermaßen über das Internet vernetzt - was zwar niemanden gesünder, aber viele IT-Firmen reicher macht.

Und natürlich die Schulen! Mit Smartphones und Tablets wäre Bildung doch wirklich chic und smart. Aber wissen wir überhaupt, was wir unseren Kindern mit diesem Groß-Experiment antun? Allenfalls ab der 8. Klasse, und hier wohldosiert, kann man die schönen Teile vielleicht einsetzen, wenn es denn sein muss.

Warum diese Bedenken, und warum ist die ÖDP so skeptisch? Lesen Sie das gerne in einem von mir für die bayerischen ÖDP-Kandidaten erstellten Text nach, und lesen Sie unbedingt auch die Beiträge hinter den Links!

 

Volksbegehren "Rettet die Bienen" - und Kandidatur

Bericht in der "Hallo" München-Ost zur Veranstaltung am 9.7.18 im Truderinger Kulturzentrum, zu lesen hier!

 

Veranstaltung zum Volksbegehren "Rettet die Bienen" - 9.7.18 im Kulturzentrum München-Trudering

Gott sei Dank, die Obstbäume entwickeln sich gut, auch wenn auffällig wenig vor einigen Wochen gesummt hat, als alles - viel zu früh - auf einmal blühte. Trotzdem: das Insektensterben ist leider real. 73% weniger Schmetterlinge, 54% bedrohte Bienenarten, dazu 66% weniger Vögel in Deutschland seit 1965.

Derzeit läuft daher ein Volksbegehren in Bayern "Rettet die Bienen", über das Andreas Meißner, ödp-Landtagskandidat unnd Mitglied von Trudering im Wandel, am Montag, den 9.7.18, um 19.30 Uhr im Kulturzentrum Trudering informiert. Gezeigt werden auch Ausschnitte aus einem kürzlich gehaltenen Vortrag von Dr. Andreas Segerer, Zoologische Staatssammlung, zum "Stillen Insektensterben".
Ziel des Volksbegehrens sind Änderungen im bayerischen Naturgesetz, damit u. a. ein Biotop-Verbund geschaffen wird, es mehr Blühwiesen gibt, weniger Pestizide eingesetzt werden und der Öko-Landbau gefördert wird. Natürlich muss auch in Berlin und Brüssel zu dem Thema noch viel passieren - aber warum nicht vor Ort schon anfangen?
An dem Abend kann auch direkt unterschrieben werden, Listen liegen aus. Infos auch unter www.volksbegehren-artenvielfalt.de.

Warum ist ein Psychiater denn verrückt und geht jetzt in die Politik...?

Gründe anzeigen
  • weil: Insektensterben und Klimawandel eine existenzielle Bedrohung sind, auch wenn wir das noch nicht direkt spüren!
  • weil: wir weiter Natur brauchen, physisch und psychisch!
  • weil: Mensch und Erde unter einem Burnout leiden!
  • weil: man nicht immer nur über Politiker schimpfen kann, sondern auch mal selber was tun muss!
  • weil: Einzelne zwar viel tun können, Politik aber letztlich die Regeln setzen muss!
  • weil: wer wirklich Grün will, ökologisch wählen muss!
  • weil: die ödp keine Firmenspenden annimmt!
  • weil: die ödp nicht auf Wachstum und Wettbewerb setzt!
  • weil: die ödp keine Allheilserwartung an die Digitalisierung hat, sondern auch Risiken beachtet.
  • weil: Stress, Beschleunigung und psychische Probleme zunehmen, und das für oft unsinnige und umweltschädliche Arbeitsplätze!
  • weil: Sie sich selbst eine Meinung bilden sollen und können, z. B. hier!

Die Ursprünge des Engagements

Schon 1986 – während des Medizinstudiums – wurde deutlich, dass unsere Lebensstile die Umwelt ruinieren, und damit unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Der GAU von Tschernobyl sowie die unselige Planung einer Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz (WAA) sind hier zu erwähnen. Oft genug stand ich am Bauzaun in Wackersdorf ohnmächtig der Staatsmacht gegenüber.

„Die Grenzen des Wachstums“, der Bericht an den Club of Rome 1972 über den Zustand der Ressourcen und Senken hat dann nach Lesen der Auflage von 2004 den Impuls, aktiv zu werden, erneuert. Der Einzelne hierzulande muss etwas ändern, seinen Lebensstil ändern, dies wurde über Jahre mein Anliegen, zunächst vor allem persönlich.

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ödp München

Plastikmüll

Plastikmüll am Strand

Heute üblicher Plastikmüll am Strand - oft auf den ersten Blick kaum auffallend.

Skipiste Spitzingsee

Skipiste am Spitzingsee

Absurde Skipiste am bayerischen Spitzingsee.